Daniel Ebrahimi-Fakhari erhält Stipendium 2018

Nachwuchsförderung weiterhin gesichert

cand. med. Daniel Ebrahimi-Fakhari
cand. med. Daniel Ebrahimi-Fakhari

Nach zweimaliger Vergabe des TSC-Stipendiums „Welcome to Cincinnati“ ist die Nachwuchsförderung im Zuge der internationalen Kooperation mit Professor David Franz und der TSC Klinik in den USA erneut gesichert. Stolzer Stipendiat ist diesmal cand. med. Daniel Ebrahimi-Fakhari, der nach Abschluss seines Medizinstudiums von Anfang Juli bis Ende September 2019 in den Genuss der dreimonatigen Hospitation kommen wird. „Der Aufenthalt in den USA bietet Herrn Ebrahimi-Fakhari nicht nur die einmalige Gelegenheit sich klinisch und persönlich weiterzuentwickeln, sondern auch relevante neue Impulse für seine Dissertation zu erhalten“, erklärt Prof. Dr. Sascha Meyer, der den Doktoranden als Leiter des TSC-Zentrums Saarland bereits seit 2016 begleitet.

 

Daniel Ebrahimi-Fakhari ist am TSC-Zentrum Saarland in der Klinik für allgemeine Pädiatrie und Neonatologie im Bereich der Neuropädiatrie beschäftigt. Als an pädiatrisch-neurologischen Krankheitsbildern interessierter Nachwuchsmediziner konnte er dort im Rahmen seiner Promotionstätigkeit bereits zur Publikation der Daten aus der zu TSC durchgeführten ESPED-Studie und zur topischen Therapie mit mTOR-Inhiboren bei fazialen Angiofibromen beitragen. Er wirkte außerdem unterstützend an einer multizentrischen Studie zu den Versorgungsstrukturen von TSC-Patienten in Deutschland (Saarland) und Spanien (Barcelona) mit. Nächstes Ziel sei für ihn nun der Abschluss seiner kumulativen Dissertation über seltene pädiatrische Erkrankungen am Beispiel des Tuberöse Sklerose Complex (TSC) bei Kindern und Jugendlichen. Gerade mit Blick hierauf freue er sich ganz besonders über die ihm gebotene Chance, praktische Erfahrungen in der Behandlung, aber auch in der Erforschung der Erkrankung sammeln zu können.

 

„Wir freuen uns mit Herrn Ebrahimi-Fakhari erneut einen engagierten Kandidaten gewählt zu haben, dessen Wunsch es ist, eine verantwortungsvolle Rolle als Arzt zu übernehmen und sein erworbenes Wissen TSC-Patienten zugutekommen zu lassen“, bekräftigt Stiftungsgeschäftsführer Helmut Hehn die Ausführungen des angehenden Arztes. Dem Ziel, Studenten und Ärzten eine vertiefte medizinische und wissenschaftliche Ausbildung im Sinne TSC-Betroffener und ihrer Familien zu ermöglichen, könne damit auch diesmal wieder in Gänze Rechnung getragen werden.

 

Stiftung fördert Studie zu EGFR-Inhibitoren


EGRF-Inhibitoren könnten möglicherweise ebenso einen Einfluss auf das Wachstum von Subependymalen Riesenzellastrozytomen haben wie die bis dato zur Therapie zugelassenen mTOR-Inhibitoren. Ein Hoffnungsschimmer für alle jene bei denen Everolimus bisher nur mäßigen Erfolg brachte oder mit einer hohen Nebenwirkungsrate verbunden war.

 

„Wir freuen uns daher außerordentlich, dass es ist uns gelungen ist, über unsere Spendenkampagne im vergangenen Winter genügend Einnahmen zu generieren, um das von Theresa Scholl aufgesetzte Projekt zur Überprüfung dieser These zu unterstützen“, unterstreicht Stiftungsgründerin und Vorsitzende Anke Koch die Bedeutung der Forschungsidee.

 

Mit rund 17.000 Euro sei die Studie unter der Leitung der Wiener Biomedizinerin eines der größten durch die Stiftung bezuschussten Projekte, gleichwohl aber auch ein sehr vielversprechendes, das in Abhängigkeit von den Ergebnissen die Grundlage für eine völlig neue Therapieoption eröffnen und nach weiterer Überprüfung vielleicht schon bald über einen Off-Label-Use im Klinikalttag eine Rolle spielen könnte.

 

Mit den ersten Ergebnissen aus dem Forschungsvorhaben ist bereits im Herbst 2021 zu rechnen. Wir sind gespannt und halten Sie natürlich auf dem Laufenden!

 

 

VEGF-D - ein potentieller Biomarker für die Tumorentwicklung bei TSC?

Stiftung stellt 14.000 Euro bereit


Biomarker können wichtige Hinweise auf verschiedene Erkrankungen, deren Schwere sowie den weiteren Krankheitsverlauf geben. Könnte es da vielleicht auch einen Biomarker geben, der bei TSC-Patienten im Kindesalter bereits Rückschlüsse auf die Entwicklung von TSC-bedingten Tumoren zulässt? Mit der Normwertbestimmung des VEGF-D Wertes für Kinder soll hierfür nun die entsprechende Grundlage geschaffen werden.

 

In dem von der Deutschen Tuberöse Sklerose Stiftung geförderten Projekt am Universitätsklinik Leipzig werden dazu derzeit Blutproben von Kindern verschiedener Altersklassen untersucht, um herauszufinden, in welchem Alter welcher Wert als normal angenommen werden darf. „Auf diese Weise hätten wir eine Basis, die wir zum Vergleich mit den Werten TSC-betroffener Patienten heranziehen könnte“, erklärt Kinderneurologin Dr. Frauke Hornemann, die den Projektvorschlag an die Deutsche Tuberöse Sklerose Stiftung herantrug.

 

Doch was sagt der Wert eigentlich aus und wieso soll genau dieser Wert als Biomarker herangezogen werden? Die Idee basiert auf Untersuchungen bei LAM-Patientinnen, bei denen man festgestellt hat, dass der VEGF-D Wert im Vergleich zu dem bei gesunden Menschen deutlich erhöht ist und unter Therapie mit mTOR-Inhibitoren signifikant absinkt, während sich die Lungenfunktion gleichzeitig verbessert. Den gleichen Effekt konnte man auch bei der Behandlung von Angiomyolipomen mit dem mTOR-Hemmer „Everolimus“ beobachten. Ein kausaler Zusammenhang zwischen einem erhöhten VEGF-D Wert und der durch die Mutation im TSC1- oder TSC2-Gen bedingte Überaktivierung des mTOR-Proteins, die bei TSC-Patienten zu unkontrolliertem Zellwachstum und damit zur Bildung der Tumoren führt, erscheint damit zumindest denkbar.

 

„Ausreichend etablierte Normwerte des VEGF-D für das Alter unter 18 Jahren liegen derzeit jedoch leider noch nicht vor“, so die Projektleiterin weiter. „Dabei könnte VEGF-D als potentieller Biomarker auch im pädiatrischen TSC-Bereich hilfreich sein, denkbar für alle Formen von vaskularisierten Tumoren, der frühen LAM, zum Verlauf sowie zur prognostischen Einschätzung bei der Entwicklung von Angiomyolipomen, aber auch als Serum-Marker einer effektiven Everolimusbehandlung im Rahmen der Zulassungen zur Behandlung der TSC-bedingten Organerkrankung an Hirn und Niere.“

 

Die durch die Deutsche Tuberöse Sklerose Stiftung mit 2.600 Euro geförderter Vorstudie, die zunächst die Normwertbestimmung für eine etwas kleinere Gruppe vorsah, konnte mittlerweile abgeschlossen werden. Mit Blick auf die Resultate stellt die Stiftung nun einen weiteren Zuschuss zur Fortführung des Forschungsvorhabens in Höhe von 11.300 Euro bereit.

Ankerproteine des TSC Komplexes schützen vor Entwicklungsstörungen des Gehirns

Zwei Preisträgerinnen der Tuberöse Sklerose Stiftung haben wichtige Ankermoleküle des TSC Komplexes entdeckt: G3BP-Proteine verankern den TSC Komplex an Lysosomen und hemmen so den Stoffwechsel-Treiber MTOR – ein Signalprotein, das bei der Tuberösen Sklerose und ihrer Behandlung eine zentrale Rolle spielt. Zu diesem Ergebnis kamen Tamara Prentzell, TS Forschungspreisträgerin 2019, die mit Christiane Opitz am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) arbeitet, und Kathrin Thedieck, TS Forschungspreisträgerin 2017 von der Universität Innsbruck, gemeinsam mit einem europaweiten Forschungsnetzwerk. Sie publizierten ihre Arbeit in der renommierten Fachzeitschrift Cell.

 

Das Signalprotein MTOR (Mechanistic Target of Rapamycin) ist ein Sensor für Nährstoffe wie Aminosäuren und Zucker. Wenn genügend Nährstoffe zur Verfügung stehen, kurbelt MTOR den Stoffwechsel an und sorgt dafür, dass ausreichend Energie und Bausteine für das Wachstum und die Funktion aller Zellen im menschlichen Körper zur Verfügung stehen. „Weil MTOR ein derart zentraler Schalter für den Stoffwechsel ist, führen Fehler in seiner Aktivierung zu ernsten Krankheiten. Dies sind zum Beispiel Krebserkrankungen, die mit übermäßiger Stoffwechselaktivität, Zellwachstum und -ausbreitung einhergehen. Auch Fehlentwicklungen des Nervensystems, die zu Schwierigkeiten in der Reizverarbeitung bis hin zu Verhaltensstörungen und Epilepsie führen, können die Folge sein, wenn MTOR fehlgeschaltet ist“, erklärt Kathrin Thedieck.

 

Um Fehler in der MTOR-basierten Signalverarbeitung zu verhindern, kontrolliert die Zelle seine Aktivität sehr genau. Dies tut sie unter anderem durch sogenannte Suppressoren. Das sind Moleküle, die ein Protein hemmen und dabei helfen, seine Aktivität zu dosieren. Der TSC Komplex ist so ein Suppressor für MTOR. Er ist nach der Erkrankung, die sein Fehlen hervorruft, benannt – der Tuberösen Sklerose (engl. tuberous sclerosis, TSC). „Der TSC Komplex sitzt gemeinsam mit MTOR an kleinen Strukturen in der Zelle, den sogenannten Lysosomen, und hält dort MTOR in Schach. Wenn der TSC Komplex - beispielsweise durch Veränderungen (Mutationen) in einer seiner Komponenten - nicht mehr am Lysosom bleibt, kann dies zu übermäßiger MTOR Aktivität mit schweren gesundheitlichen Folgen führen“, erläutert Tamara Prentzell.

 

Die G3BP Proteine: molekulare Anker des TSC Komplexes

Die Teams um Kathrin Thedieck an der Universität Innsbruck, sowie Tamara Prentzell und Christiane Opitz am DKFZ erforschten deshalb, auf welche Weise der TSC Komplex an Lysosomen bindet. Hierbei entdeckten sie, dass die G3BP Proteine (Ras GTPase-activating protein-binding protein) zusammen mit dem TSC Komplex an Lysosomen sitzen. Dort bilden die G3BP Proteine einen Anker, der dafür sorgt, dass der TSC Komplex an die Lysosomen binden kann. Diese Ankerfunktion spielt zum Beispiel in Brustkrebszellen eine entscheidende Rolle. Ist die Menge von G3BP Proteinen in Zellkulturen vermindert, so führt dies nicht nur zu einer erhöhten MTOR Aktivität, sondern steigert auch die Ausbreitung der Zellen. Wirkstoffe, die MTOR hemmen, verhindern diese Ausbreitung. In Brustkrebspatient*innen korreliert eine niedrige G3BP Menge mit einer schlechteren Prognose. „G3BP Proteine könnten daher interessante Marker sein, um personalisierte Therapien zu entwickeln und die Effizienz von Medikamenten, die MTOR hemmen, zu verbessern“, so Christiane Opitz vom DKFZ.

 

Auch im Gehirn hemmen die G3BP Proteine MTOR. Im Zebrafisch, einem für die Pharmaforschung wichtigen Tiermodell, beobachteten die Forscher*innen Störungen der Gehirnentwicklung, wenn G3BP fehlt. Dies führt zu neuronaler Hyperaktivität ähnlich wie bei Epilepsie im Menschen. Diese neuronalen Entladungen konnten durch Wirkstoffe, die MTOR hemmen, unterdrückt werden. „Wir hoffen deshalb, dass Patient*innen mit neurologischen Erkrankungen, bei denen die G3BP Proteine fehlerhaft sind, von MTOR-gerichteten Wirkstoffen profitieren könnten. Bei Menschen mit Tuberöser Sklerose konnten wir bislang keine G3BP Mutationen finden. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Menschen mit anderen neurologischen Krankheitsbildern Träger*innen von G3BP Varianten sein könnten. Hier stehen wir noch am Anfang und möchten dies zukünftig gemeinsam mit unserem Forschungsnetzwerk weiter untersuchen“, sagt Kathrin Thedieck von der Universität Innsbruck.

 

Die Studie ist in der Fachzeitschrift Cell erschienen. Ihre Autor*innen wurden u.a. von der deutschen Tuberöse Sklerose Stiftung, der niederländischen Stiftung TSC Fonds, der TS Alliance UK (TSA UK), der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Europäischen Union im Rahmen des Brustkrebskonsortiums MESI-STRAT (www.mesi-strat.eu) gefördert.


Rückfragehinweise

 

Univ.-Prof. Dr. Kathrin Thedieck

Lab for Metabolic Signaling, Institute of Biochemistry

University of Innsbruck, Innrain 80-82, 6020 Innsbruck, Austria

 Tel: +43 676 872557504

 Email: kathrin.thedieck@uibk.ac.at

 

Websites:

https://www.uibk.ac.at/biochemistry/people/thedieck/

https://www.metabolic-signaling.eu

https://www.uibk.ac.at/cmbi/

https://www.mesi-strat.eu

 

Dr. Christiane Opitz und Dr. Tamara Prentzell

Brain cancer metabolism group B350

German Cancer Research Center, DKFZ, INF 280, 69120 Heidelberg, Germany

 Tel: +49 176 95523393 / +49 171 1793805

 Email: c.opitz@dkfz.de / t .prentzell@dkfz.de

 

Website:

https://www.dkfz.de/de/brain-cancer-metabolism/

 

Stiftung verleiht TSC-Stipendium 2021

„Für meine künftige Arbeit mit unseren TSC-Patienten wäre der Aufenthalt in den USA eine große Möglichkeit, mich medizinisch, wissenschaftlich sowie auch zwischenmenschlich weiterzuentwickeln“, so Friederike Heidelberg. Mit ihrer durchweg positiven Einstellung konnte die  Nachwuchsmedizinerin den Vorstand der Deutschen Tuberöse Sklerose Stiftung nicht nur über ihr Bewerbungsschreiben, sondern auch in dem virtuell geführten Bewerbungsgespräch Ende Oktober von ihrer Eignung für das Stipendium im kommenden Jahr überzeugen.

 

Die 33-jährige Assistenzärztin befindet sich seit 2017 in Weiterbildung in der Kinder- und Jugendmedizin an den Sana Kliniken in Duisburg und strebt nach ihrer Facharztanerkennung eine weitere Spezialisierung in der Neuropädiatrie an. Auch danach möchte sie sich weiterhin in Duisburg einbringen, will dort schwerpunktmäßig die ambulante und stationäre Betreuung der TSC-­Patienten übernehmen und die im Rahmen des TSC-Zentrums Rheinland bereits etablierten Strukturen weiter ausbauen.

 

Mit Hauptaugenmerk auf die klinische Versorgung erhält sie am Cincinnati Children's Hospital unter der Leitung von Professor David Franz, eines langjährigen Freundes der deutschen TSC-Bewegung, damit nun die großartige Chance eine Vielzahl von Patienten und Krankheitsverläufen kennenzulernen, damit ihr Fachwissen zu vertiefen und dieses in den hiesigen Klinikalltag einzubringen.

 

„Auch, wenn wir derzeit noch nicht wissen, ob Corona die Einreise zulässt, haben wir uns nicht zuletzt auch deswegen dazu entschieden, das Stipendium für 2021 auszuschreiben“, so der Co-Vorsitzende der Stiftung, Prof. Roland Koch. Denn jedes Jahr, in dem die Stiftung keinen Stipendiaten entsenden könne, sei für die Stiftung letztendlich auch ein verlorenes Jahr, in dem ein Multiplikator für die deutsche TSC-Versorgungslandschaft verloren gehe.

 

Ein Umstand, der bedauerlicherweise schon für das an Dr. Afshin Saffari verliehene Stipendium für 2020 zutrifft, der die Hospitation leider auch in den kommenden beiden Jahren aufgrund privater Pläne nicht wahrnehmen kann. Umso mehr drücken wir Friederike Heidelberg die Daumen, dass alles klappt, und wünschen ihr bereits heute einen tollen und gewinnbringenden Aufenthalt.

G3BP1 als Ankerprotein des TSC Komplexes identifiziert


Mit G3BP1 ist ein neues Protein, welches im Rahmen der TSC-Erkrankung von grundlegender Bedeutung ist, identifiziert worden. Dies legen die neuesten Ergebnisse der Forschungsarbeit von Dr. Mirja Tamara Prentzell und ihren KollegInnen in namhaften TSC-Laboren in Deutschland, Österreich, Belgien, England, den Niederlanden, und Polen nahe. Für ihre Entdeckung wurde die promovierte Protein-Biochemikerin, die am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg tätig ist, bereits 2019 mit dem Forschungspreis der Deutschen Tuberöse Sklerose Stiftung ausgezeichnet.

 

Prentzells Untersuchungen zufolge führt ein vermindertes Vorliegen von G3BP1 ebenso wie bei TSC1 oder TSC2 zu einer gesteigerten mTOR-Aktivität, welche die TSC-typischen Tumore und Epilepsie hervorrufen kann. „Wir konnten in einem Zebrafisch Epilepsie-Modell am lebenden Tier zeigen, dass eine Verminderung von G3BP1 in einer signifikant erhöhten Anzahl epileptischer Anfälle mündet, während der Einsatz von Rapamycin, einem mTOR-hemmenden Medikament, die Häufigkeit epileptischer Anfälle verringert“, erklärt die Nachwuchswissenschaftlerin. Eine Verminderung von G3BP1 könnte erklären, warum manche Menschen, bei denen keine Mutation im TSC1- oder TSC2-Gen nachgewiesen werden kann, trotzdem Symptome einer TSC-Erkrankung zeigen. „Wir treffen gegenwärtig gemeinsam mit WissenschaftlerInnen im In- und Ausland Vorbereitungen, dieser Frage weiter nachzugehen, und diese wichtige diagnostische Lücke möglicherweise schließen zu können“, so Dr. Tamara Prentzell. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

 

Für Experten: Die Forschungsarbeit von Prentzell et al. wurde bei einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift eingereicht und wird aktuell von anderen Wissenschaftlern begutachtet. Einen Vorabdruck der noch unbegutachteten Forschungsergebnisse finden Sie im bioRXiV Archiv: https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.04.16.044081v2

Stiftung stellt 31.100 Euro für Stoffwechselstudie bereit


An innovativen und für das weitere Verständnis der Erkrankung bedeutenden Forschungsideen mangelt es Prof. Kathrin Thedieck, die bereits in 2017 den TSC-Forschungsreis der Deutschen Tuberöse Sklerose Stiftung für die Erforschung des TGFBeta-Signalweges erhielt, nicht. Die Entwicklung neuer und verbesserter Therapieansätze liege ihr besonders am Herzen, so die Leiterin des Instituts für Biochemie an der Universität Innsbruck, die auch an den Universitäten Oldenburg und Groningen tätig ist (www.metabolic-signaling.eu). Der TSC-Bewegung fühlt sie sich durch ihre langjährige Zusammenarbeit mit den Patientenvereinigungen in Deutschland, den Niederlanden und Belgien im Besonderen verbunden.

 

Ihre neuste These: auch Stoffwechselveränderungen könnten Einfluss auf das Tumorwachstum und möglicherweise sogar weitere Symptome bei TSC-Patienten haben und damit einen neuen Ansatzpunkt für Therapien, z.B. durch Veränderung in der Ernährung oder den Stoffwechsel beeinflussende Medikamente bieten. In einer dazu aufgesetzten Studie, die seitens der Tuberöse Sklerose Stiftung mit 31.100 Euro unterstützt wird, sollen dazu nun Moleküle des Glukose-, Fett- und Aminosäurestoffwechsels bei Epilepsie-betroffenen Kindern mit und ohne TSC analysiert werden. Unter Beteiligung der Universitäten Innsbruck, Oldenburg und Groningen (Niederlande), dem Epilepsiezentrum Kork, der Medizinischen Hochschule Hannover, dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem CHU de Liège (Belgien) präsentieren Thedieck und KollegInnen einen länderübergreifenden und für die Stiftung überzeugenden Projektvorschlag. „Mit einer Schwesterstudie in Belgien zur Stoffwechselanalyse bei erwachsenen TSC-Patienten mit Nierenbeteiligung und einer gesunden Vergleichsgruppe gewinnt unsere Studie daneben besondere Aussagekraft und bietet die einzigartige Möglichkeit, Stoffwechselveränderungen für zwei der wichtigsten klinischen Symptome bei TSC-Patienten zu analysieren und zu vergleichen“, so Thedieck.

 

Wann das Projekt endgültig starten kann, für das die Vorarbeiten derzeit in vollem Gange sind, hängt nun von der weiteren Entwicklung der derzeit alles überschattenden Corona-Pandemie und den damit eingeschränkten Möglichkeiten zur Patientenrekrutierung ab.

Stipendium bringt neue Erkenntnisse zum Einsatz von Cannabidiol


Für ihn war es weit mehr als die Gelegenheit eine der renommiertesten TSC-Kliniken der Welt kennenzulernen, erzählt der junge Nachwuchsmediziner Dr. Daniel Ebrahimi-Fakhari nach seinem knapp dreimonatigen Aufenthalt am Cincinnati Children's Hospital, der ihm im vergangenen Jahr durch die Deutsche Tuberöse Sklerose Stiftung ermöglicht worden war. Neben den ein- bis zweimal wöchentlichen TSC Spezialsprechstunden, bei denen er nach eigenen Angaben in wenigen Wochen mehr über die TSC Erkrankung lernen konnte als es in einer deutschen Klinik in mehreren Jahren möglich gewesen wäre, sei dies vor allem den Menschen vor Ort, aber auch den Forschungsprojekten geschuldet gewesen, die sein Interesse an TSC weiter befeuert hatten. Angefangen von der Frage wie häufig bestimmte den Bauchraum betreffende Veränderungen bei TSC vorkommen, für die er über 600 CT- und MRT-Aufnahmen analysierte, über die Sammlung von Daten zu seltenen Tumoren der Bauchspeicheldrüse, bis hin zu einem eigenen Projekt zu dem neuen Cannabidiol-Präparat „Epidiolex“, auf das ihn Klinik-Leiter Prof. Dr. David Franz gestoßen hatte, ermöglichten ihm die renommierten Experten des Krankenhauses damit weitreichende Einblicke in das Krankheitsgeschehen.

 

Ein interessantes Ergebnis: Cannabidiol scheint den Everolimus-Spiegel zu beeinflussen. So stiegen die Talspiegel des verabreichten mTOR-Inhibitors in der Untersuchung bei 76 % der Patienten nach Beginn der Behandlung mit Cannabidiol. Mit 25 Patienten beruht das Ergebnis zwar nur auf einer sehr kleinen Fallzahl, könnte aber für den Klinikalltag durchaus relevant werden, wenn es beispielsweise darum geht, die Wirksamkeit eines mTOR-Inhibitors durch eine Spiegel-Erhöhung zu steigern oder daraus resultierende Nebenwirkungen bei der Gabe beider Medikamente zu verhindern.

 

Hochmotiviert und mit zahlreichen Eindrücken im Gepäck will Dr. Ebrahimi-Fakhari aber auch nach dem Forschungsaufenthalt weiterhin mit Dr. Franz in engem Kontakt bleiben. Gemeinsam erarbeiten sie derzeit ein gemeinsames Manuskript zur optimalen pharmakologischen Therapie der subependymalen Riesenzellastrozytome (SEGA), welches in Kürze erscheinen wird. Es sei eine Ehre mit David Franz und seinem Team nun auch die Möglichkeit zu haben, die führenderen Experten zur TSC Erkrankung „auf dem kurzen Dienstweg“ zu speziellen Fragestellungen zu Rate ziehen zu können. Davon werde in Zukunft sicher auch der ein oder andere Patient hierzulande profitieren können.